Und bei Kritik macht die bubble „peng“

Und bei Kritik macht bubble “peng“

Wann immer das passiert, weil Gespräche nach geäußerter Kritik ungut verlaufen, denke ich erstmal, okay, lass die geplatzte bubble links liegen, vielleicht ist endgültig die Luft raus.
Doch nach einer Weile fällt mir ein, dass ich die neulich geposteten Regeln, wie eins besser nicht auf Kritik reagiert, ja durch twitter kennen gelernt habe.

Vor twitter wusste ich nicht, was derailing+silencing, Definitionsmacht oder intent und impact sind. Ich habe diese Dinge vorher vage gewusst, ohne genau sagen zu können, was denn in den Gesprächen oder Diskussionen eigentlich schräg ist, warum ich mich plötzlich für die Kritik rechtfertigen muss, und der Kritikpunkt selbst unter den Tisch fällt. Warum ich Verständnis aufbringen soll für die Gründe, wie die Verletzung zustande kam, wenn sie nicht sowieso und an sich in Frage gestellt wurde.

Ich war dann irritiert bis wütend und sobald ich mich abgekühlt hatte, kam auch schon die Verständnisphase. Es gibt ja immer zwei Seiten (oder dreiunddrölfzig), bekam ich zu hören. Nur dass es, nachdem ich diese Verständnisarbeit geleistet hatte, überhaupt nicht mehr um „meine“Seite (meine Perspektive eher), und um den Ausgangspunkt ging.

Für mich sind die oben genannten Begriffe äußerst hilfreich um Dynamiken und Strukturen zu erkennen. Und zu benennen. Und Grenzen zu ziehen.

Ich wünschte, ich hätte die tools gehabt, die vielen Formen von gaslighting, die ich in Beziehungen, besonders in den Konfliktsituationen dort, durchlitten habe, früher zu erkennen. Ich habe immer wieder Verständnis aufgebracht, in der Hoffnung, genauso welches entgegen gebracht zu bekommen. Aber Menschen, die es gewohnt sind, mit abusive Strategien zum Ziel zu kommen, müssen dieses gar nicht bieten. Sie sind geübt, der kritisierenden oder ein Bedürfnis anmeldenden Person zu suggerieren, sie sei selbst schuld an einem Mangel, habe provoziert oder sei irrational, zu subjektiv. Ich habe ein Bedürfnis mich davor zu schützen.

Defensiv auf Kritik zu reagieren im ersten Moment passiert mir wie vielen anderen immer wieder. Manchmal bin ich im ersten Moment so geschockt und kann nicht klar denken, also auch nicht über die Kritik klar nachdenken, aber sobald dieser anxious Moment vorüber ist, fange ich damit an und oft erstreckt sich das über die ganze Nacht, weil bei Konflikten bei mir die innere Uhr rennt, ich möchte es so schnell wie möglich klären, denn ich weiß selbst, wie es ist, wenn eins drauf wartet, dass eine verletzende Äußerung reflektiert wird, auf eine Art und Weise, dass eins spürt, da probiert jemensch wirklich sich in der Hinsicht zu ändern. Deshalb ist mir das Entschuldigungsritual weniger wichtig als die Reflektion. Ich schreibe manchmal darüber, wo ich gefailed habe, und was ich einsehen musste. Mich überzeugt halt nur, wenn Menschen auch anerkennen, um welchen Punkt es ging, damit eins wieder Vertrauen haben kann, dass sich das Ganze nicht endlos wiederholen wird. Und wenn es nicht Entschuldigungen sind, die um des lieben Friedens Willen oder nur auf Druck hin erfolgen.

Anscheinend wird es tricky, wenn 2 Menschen auf derselben Unterdrückungsachse betroffen sind. Wenn zwei Betroffene sich gegenseitig verletzen/triggern, ist es dann “Gleichstand oder Patt“? Lässt sich dadurch irgendein Detail eines KONKRETEN KONTEXTES relativieren?

Meiner Meinung nach Nein. Es lässt sich ohne Kontext überhaupt nicht viel über diese Konstellation sagen oder welche anderen Unterdrückungsformen die beiden Betroffenen zusätzlich erleben und ob diese hier eine Rolle spielen. Mir fehlt die Information, was der Ausgangspunkt des Konfliktes war. War es. Z.B. Kritik an etwas -istischem/einer diskriminierenden Trope und wurde von der kritisierenden Person die Kritik in sehr wütender Form vorgebracht, auch verletzend, entledigt das die Person, die kritisiert wurde, nicht der Verantwortung für die -istische Aussage oder diskriminierende Trope. Tone policing ist eine häufige Reaktion auf wütend vorgebrachte Kritik.
Wut diskreditiert aber nicht den Gehalt einer Kritik.

(Und geschahen fails auf beiden Seiten? Waren diese asychron, sind sie eventuell auch nacheinander zu bearbeiten und nicht gegeneinander aufzuwiegen.)

Wenn eine Person auf einen trigger hinweist, sollte sie nicht zum Argumentieren gezwungen sein. Auch wenn es sehr unterschiedliche trigger gibt und eins nicht alle auf den Schirm haben kann, ist doch dieses Aufzeigen ernst zu nehmen und wenn möglich, der trigger zu unterlassen. Stattdessen sind Diskussionen, wie es eigentlich gemeint sei, die Regel. Als ob es dadurch aufhörte zu triggern.
Wenn beide Personen sich gegenseitig triggern hilft nur ein timeout, um irgendwann unter saferen Prämissen weiter miteinander zu sprechen, falls erwünscht. Dabei können konsensuelle Regeln helfen.

Auf eine diskriminierende Trope oder Rhetorik hinzuweisen, heißt oft, dass mit ihnen eine kollektive Unterdrückungserfahrung verbunden ist. Auf die aufgezeigte Konnotation dieser Trope mit “Unterstellung/Interpretation/Subjekitivität/Überempfindlichkeit“ zu reagieren zeigt keine allzu große Bereitschaft, dazu zu lernen, warum diese problematisch ist.
Und ja, Betroffene können unter einander ungerecht sein, Ungleichheiten, neben der gemeinsamen Betroffenheit, existieren parallel, auch gaslighting kommt vor zuweilen. Betroffene sind nicht bessere Menschen. Es gibt genug internalisierten Kackmist zu überwinden. Bei uns allen.

Die von mir geposteten Regeln, wie eins besser nicht auf Kritik reagiert, spiegeln meinen Lernprozess/Lernziel auf twitter wieder. Es hilft mir ungute Diskussionen zu identifizieren und abzubrechen, Grenzen zu spüren und zu setzen.

Nur weil diese Regeln nicht für alle funktionieren, heißt es nicht, dass solch eine policy ungerecht wäre. Ich habe irgendwo mal gehört, dass es noch was jenseits von Binarismen gibt, und in Frage zu stellen und gegen etwas zu kämpfen, was für einige Betroffene gut funktioniert, lässt mich eher verwundert am Kopf kratzen, es sei denn, es zementiert Ismen, dann verstehe ich das, vermutlich.

Ich finde es überhaupt nicht ungewöhnlich mich mit Menschen wohler zu fühlen mit, die ähnliche Ziele und kompatible Arbeitsweisen haben und vor allem meine Grenzen respektieren.

Klar, kann eins aus Konflikten lernen, zu neuen Ergebnissen kommen, bzw bringen Konflikte im besten Fall Klarheit. Manchmal die Erkenntnis, dass die Beteiligten zu Unterschiedliches Wollen oder es auf zu unterschiedliche Weise zu erreichen versuchen. Das ist Okay. Es ist auch okay, wenn sich Wege dadurch trennen, auch wenn es eine_n traurig überrascht, vor Allem wenn die Beteiligten sich auf einem gemeinsamen Weg sahen.

Ich poste also noch mal die Regeln, wie meiner Meinung nach die Reaktion auf Kritik von peers nicht aussehen sollte.
Da diese nicht universell sind und auch nicht von mir erfunden, sondern durch twitter vermitttelt sind::

Vielleicht schreibt Ihr mal Eure Regeln auf, wie Diskussionen für und mit Euch funktionieren oder wie auf keinem Fall.

Regeln klingen erstmal krass festgelegt. Aber ich habe gemerkt, dass die gewählten Regeln sehr mit Wahrung meiner Grenzen zu tun haben.

Und meine Grenzen diskutiere ich nicht!

 

 

(Ergänzung:-Objekitivitätsdiskurs, Behauptung einer neutralen oder gottähnlichen Perspektive fehlt in der zusammengefassten checklist)

Post Scriptum:

Wegen dieser Erfahrungen, kann ich nicht jeder Person, zu jedwedem Zeitpunkt auf Kritikables ansprechen, für soviel vorhersehbaren Konflikt habe ich nicht die Löffel, jedenfalls nicht mit einem Dutzend Menschen/zu mehreren Diskursen innerhalb eines Monats und wegen einer damit verbundenen, sich vage abzeichnenden Entwicklung, die mir Unbehaben bereiitet, fasse ich diese Dinge immer öfter in tweetketten zusammen. Da geht es um Kritik, Assoziationen und meine Empfindungen. Und ich hoffe, eines Tages kommt an, dass es mir nicht darum geht, Einzelne zu kritisieren, sondern auf diskriminierende Verhaltensweisen,etc aufmerksam zu machen.

 

Den post widme ich dem menschi, bei de_r_m ich weiß, dass wir beide total anxious sind, wenn wir einander kritisieren, es aber dennoch tun, gerade weil wir uns mögen und schätzen und einander nicht -istisch durch die „Fettnäpfchen und Tümpel“ durchwaten lassen wollen..

<3

Ein Gedanke zu „Und bei Kritik macht die bubble „peng“

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